Aufräumen im Lager

Das Problem ist bekannt: Zu hohe Lagerbestände verursachen Kosten und binden Kapital, das für Investitionen und Innovationen eingesetzt werden könnte. Nach Erfahrungswerten entfällt in Produktionsunternehmen so jedes Jahr rund ein Drittel des durchschnittlichen Lagerbestandswerts auf Lagerhaltungskosten. Zu niedrige Lagerbestände hingegen setzen den Servicelevel herab und können im schlimmsten Fall beim Kunden zum Produktionsstillstand führen. Das gilt in insbesondere bei Ersatzteilen, die in der Regel „in-time“ benötigt werden – d. h. zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und so schnell wie möglich. Hier bietet die Kombination aus ERP und Cloud viele Vorteile.

Mehrwert aus ERP + Cloud

Besonders in der materialintensiven Produktion versuchen Unternehmen, ihre Lagerhaltung soweit wie möglich zu optimieren. Die Mehrheit setzt dabei auf bestehende ERP-Systeme für Bedarfsprognosen, Auffüllungsplanung oder Bestandssimulation. Das gelingt jedoch nicht immer. Denn den Systemen fehlen spezielle Funktionen wie bedarfsspezifische Prognosealgorithmen, ausgereifte Optimierungsprozesse für Umlaufteile und dynamische Lagerhaltungsstrategien. Auch mangelt es in der Regel an notwendigen Analyse-Tools, um die Auswirkungen von geänderten Servicelevels, Lagerbeständen und Budgetvorgaben zu prognostizieren.

Der Weg in die Cloud bietet hier für das Ersatzteilmanagement eine Reihe an Vorteilen. Dabei können die Cloud-basierten Lösungen als Add-on zu bestehenden Systemen eingesetzt werden, was einen optimierten Materialfluss auf denkbar einfachsten, schnellsten und kosteneffizientesten Weg ermöglicht.

Unternehmenseigene Bestandsmanagementlösungen sind mit Ausgaben für Lizenzen, Wartung, Support und Implementierung verbunden. Zudem kostet die IT-Infrastruktur mit entsprechenden Servern und Datenbanken. Die Cloud hingegen ist deutlich kostengünstiger. Als Software-as-a-Service steht die Infrastruktur inklusive Wartung und Support für eine geringe und genau kalkulierbare Gebühr zur Verfügung. Eine nutzungsbasierte Abrechnung und individuell abgestimmte Lizenzierungen geben einen klaren Überblick der anfallenden Kosten, wodurch sich Gesamtbetriebskosten besser budgetieren und voraussichtlichen Renditen besser kalkulieren lassen.

Flexibilität gewinnen

Wollen Hersteller flexibel und schnell reagieren, müssen Einflussfaktoren wie Trends, saisonale Entwicklungen und Nachfrageschwankungen zeitnah in das Bestandsmanagement einfließen. Deterministische und statische Daten aus dem ERP-System, wie Transaktionen oder Dokumentationen, reichen hier längst nicht aus. Gefragt sind schnelle Analysen unterschiedlichster Daten aus verschiedenen Systemen.

Cloud-basierte Nachfrageprognosen nutzen qualitative wie quantitative Methoden und managen Sollbestände dynamisch. Dadurch lässt sich für jeden Artikel an jedem Standort die richtige Balance zwischen niedrigstem Betriebskapital und geringsten Frachtkosten finden. Ähnlich lassen sich auch bei der Preisgestaltung Informationsfluss, Preisoptimierung und Preisanalyse in der Cloud optimieren. Die Voraussetzung dafür ist das Konsolidieren sämtlicher Daten der „Aftermarket Supply Chain“ auf einer Cloud-Plattform. So kann sichergestellt werden, dass alle relevanten Informationen in die Auswertungen und Prognosen miteinfließen.

Automatisieren

Die Vernetzung der Daten und beteiligten Systemen ermöglicht zudem einen hohen Automatisierungsgrad. Während bei ERP-Installationen eine personalintensive Konfiguration, Optimierung und Verwaltung nötig ist, können in der Cloud viele Abläufe nach Parametrisierung automatisch von der Software durchgeführt werden. Die Infrastruktur kommuniziert mit den bestehenden Systemen (ohne IT-Ressourcen zu blockieren) und vereinfacht interne Prozesse.

Von großem Vorteil ist zudem der reibungslose und schnelle Informationsaustausch zwischen Herstellern und ihren Händlernetzen, und zwar unabhängig von der Komplexität der hauseigenen Datenbanken oder diversen Betriebssystemen und Browsern. Mittels Multi-Echelon lassen sich beispielsweise mehrere physische Lagerstandorte in ein übergeordnetes virtuelles Lager zusammenfassen. Der Bestand kann über automatisierte Prozesse netzwerkübergreifend zwischen den Standorten umverteilt werden, während Just-in-Time-Algorithmen den Nachschub in den Regalen sichern. Das erhöht den Lagerumschlag, setzt im Lager gebundenes Kapital frei und ermöglicht ein hohes Serviceniveau.

Ein optimiertes Bestandsmanagement bedeutet also nicht, bestehende Systeme wie ERP vollkommen abzulösen. Mit cloudbasierten Add-On-Lösungen gewinnen Unternehmen vielmehr an weiteren Funktionalitäten, um ihren Lagerbestand um bis zu 20-30 Prozent reduzieren und dabei ihr Serviceniveau zu halten oder sogar noch zu erhöhen. Wie hoch das Einsparungspotential tatsächlich ist, hängt dabei immer auch vom Lagerbestandswert und Gesamtumsatz ab. Grundsätzlich aber gilt: Je höher und komplexer der Lagerbestand ist, desto mehr lohnt sich die Investition in eine intelligente Lösung.